Feier zum Jubiläum der Wiedereröffnung

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Im Rahmen einer kleinen Feierstunde eröffnete Schulleiter Heribert Schieler im Beisein der damals handelnden Personen, Schuelternbeiratsvorsitzender Dr. Ulrich Bauer, Schülersprecher Franz-Josef Gemein und Schulleiter Dieter Valnion eine Ausstellung mit Originaldokumenten zu der geplanten Schulschließung und der dann überraschenden Wiedereröffnung im Jahre 1989.

Was war damals geschehen? Am 22.05.1987 feierte das Are-Gymnasium sein 40-jähriges Bestehen im Kurhaus. Schon damals machte das Gerücht die Runde, dass das Are-Gymnasium eines der drei Gymnasien sei, die in Rheinland-Pfalz geschlossen werden sollten. Am 26.11.1987 wurde dann offiziell die „Aufhebung des Are-Gymnasiums in Bad Neuenahr-Ahrweiler“ durch die Kreisverwaltung bekanntgegeben. Diese Nachricht war natürlich ein Schock für alle Betroffenen. Welche Möglichkeiten blieben nach dieser Entscheidung der Landesregierung der Schulgemeinschaft, um ihr Are-Gymnasium noch zu retten? Klar war, dass seitens der Schulleitung und des Kollegiums wenig Spielraum bestand, da sie als Beamte weisungsgebunden waren. Aber Eltern und Schüler entfachten in der Folge einen Kampf, um ihr Are-Gymnasium zu retten, wie ihn wohl niemand erwartet hätte. Unzählige Aktionen, Briefe an die Verantwortlichen, Protestmärsche und Gespräche fanden in den folgenden Monaten statt, jedoch ohne Erfolg. Nachdem der Kreistag am 10.02.1988 seine Zustimmung zur Auflösung des Are-Gymnasiums erteilt hatte, kam es am 21.03.1988 zu einem neuen Organisationserlass durch die Landesregierung Rheinland-Pfalz. Bis Anfang 1989 kämpften die Eltern auf den unterschiedlichsten Ebenen weiter gegen die geplante Schließung.

Dennoch blieb die Bezirksregierung bei ihrer Entscheidung. Daraufhin entschlossen sich vier Eltern aus dem damaligen Schulelternbeirat (Familie Dr. Bauer, Familie Eberle, Familie Dahmen und Frau Witsch), im Namen ihrer Kinder über eine renommierte Rechtsanwaltskanzlei in Bonn eine Klage gegen das Land Rheinland-Pfalz anzustrengen. Dieses Vorgehen zeigte das außergewöhnliche Engagement der Eltern, war doch eine solche Klage auch mit nicht unerheblichen Kosten verbunden, ganz abgesehen von den nicht zu zählenden Stunden, die Dr. Bauer, Frau Eberle und die anderen Eltern bereits für die Sache „Are-Gymnasium“ geopfert hatten.

Die große Hoffnung, die die Eltern in ihre gut begründete Klage gelegt hatten, erhielt am 13. Juni 1989 einen herben Dämpfer. Das Verwaltungsgericht Koblenz lehnte den Antrag ab und folgte dabei weitgehend den Argumenten der Bezirksregierung. Damit schien das „Aus“ des Are-Gymnasiums endgültig besiegelt.

Doch noch einmal setzte sich der Schulelternbeirat zusammen und erklärte sich zu einem letzten Schritt bereit: Sie legten Einspruch gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts beim Oberverwaltungsgericht Koblenz ein. Die Hoffnung auf Erfolg war eher gering. Eine Abänderung eines Beschlusses des Verwaltungsgerichts in einer solchen Sache hätte ein Novum dargestellt.

Auch im Schulalltag hatte man sich gegen Ende des Schuljahres mit dem scheinbar Unvermeidlichen abgefunden. Die Forderungen des Organisationserlasses mussten umgesetzt werden. Mit dem 31.07.1989 war das Are-Gymnasium aufgelöst und nur noch ein Standort des Peter-Joerres-Gymnasiums. Dementsprechend verlief auch der erste Schultag des Schuljahres 1989/90. Viele Lehrkräfte des ehemaligen Are-Gymnasiums waren schon zum Peter-Joerres-Gymnasium versetzt, die neuen Klassen 5 und 11 existierten nur noch am PJG.

Doch dann geschah etwas, womit niemand mehr ernsthaft gerechnet hatte: Am 09.08.1989 fällte der siebte Senat des Oberverwaltungsgerichts ein außergewöhnliches Urteil. Das OVG folgte im Wesentlichen der Argumentation des Schulelternbeirats. Der Schließungsbeschluss wurde aufgehoben, das Are-Gymnasium war „neu geboren“!

Innerhalb weniger Tage wurde das neue Schuljahr organisiert. Neue Fünftklässler (17!) wurden eingeschult, die Jahrgangsstufe 11 kehrte an das Are zurück. Auch wenn es ein schwieriger Neubeginn war, die gesamte Schulgemeinschaft war glücklich, dass es ihr „Are“ wieder gab.

Unter dem Titel „Abschied einer Schule“ erschien im Juni 1989 eine Broschüre, die den damaligen Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften noch einmal die Ereignisse vom Mai 1987 bis zum Juni 1989 dokumentieren sollte.

Wenn man die heutige Schullandschaft in Bad Neuenahr-Ahrweiler betrachtet, dann wird schnell klar, dass hier eine politische Fehlentscheidung durch die außergewöhnliche Initiative der Elternvertreter verhindert wurde. Das Are-Gymnasium bietet heute mit seinem besonderen G8-Ganztagsprofil einen wichtigen Baustein im pädagogischen Bildungskonzept des Kreises Ahrweiler.

Auch heute nach dreißig Jahren hält das Are-Gymnasium einmal im Jahr immer noch kurz inne und erinnert an diese besondere Schulgeschichte. Jedes Jahr wird bei der Abiturentlassfeier der mit 300,00 € dotierte Dr. Bauer Ehrenpreis für besonders sozial engagierte Abiturientinnen und Abiturienten verliehen. Im Rahmen dieser Verleihung erinnert der Schulleiter in seiner Laudatio immer an die Vorgänge, die nun schon dreißig Jahre zurückliegen. Aber ohne den großen Einsatz der damaligen Eltern würde es heute keine Abiturientinnen und Abiturienten am Are-Gymnasium geben. Dieser bedeutende Teil der Schulgeschichte des Are-Gymnasiums und das dahinterstehende Engagement der Beteiligten sollen nicht in Vergessenheit geraten, sondern vielmehr für die zukünftigen Schülergenerationen als Vorbild dienen.

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